Bei der Standortsuche für die Unterbringung von Flüchtlingen scheinen die Karten nun endlich auf den Tisch zu kommen.
In den vergangenen Monaten zeichnete sich für uns Piraten ein bizarres Bild der Kommunikation zwischen Verwaltung und Rat ab. Auf der einen Seite kam aus der Verwaltung immer wieder die Bitte nach weiteren Vorschlägen aus der Politik auf. Würde die bisherige Strategie nicht ergänzt werden, müsse man auf Container zurückgreifen; hieß es immer wieder.
Auf der anderen Seite begnügten sich die Ratsfraktionen damit, der Verwaltung immer wieder für ihre gute Arbeit zu danken.
Für uns Piraten war diese (Nicht-)Vorgehensweise angesichts der Tragweite des Problems nicht hinnehmbar. Mit  unseren Vorschlägen verfolgen wir das Ziel, den Aachener Standard bei  der Flüchtlingsunterbringung aufrecht zu erhalten. – Dann müssten wir auch keine 33,- € je qm für Container ausgeben.
In  den Gesprächen mit den anderen Fraktionen wurde deutlich, dass auch sie den Aachener Standard erhalten möchten und sich gerne darauf berufen.  -Innerlich haben sie sich jedoch schon längst davon verabschiedet.
Dass  es einen breiten Konsens für die Containerlösung gibt wurde uns vor  allem klar, als wir auf der Suche nach Alternativen vor allem in den  Dokumenten der Verwaltung fündig wurden.
Die  Ideen aus unserem Antragspaket zur Stärkung der  Willkommenskultur stammen zum großen Teil aus verworfenen Ideen der  Verwaltung. Warum sie im einzelnen nicht weiterverfolgt wurden, konnte im Nachhinein nicht mehr geklärt werden.
Es  bleibt aber die Frage, ob die anderen Fraktionen die Unterlagen der  Verwaltung ungeöffnet abheften, die Zusammenarbeit bei ihnen einfach  anders abläuft oder das Stillhalten kalkuliert ist.
“Wo und wie können wir in Aachen noch Menschen menschenwürdig wohnen lassen?“ Zu dieser Frage hatten die/wir Piraten vor der Sommerpause acht Anträge vorgelegt. 
Die Körner-Kaserne in Forst und das leerstehende Kloster in der Lousbergstrasse   waren  im Antragspaket erwähnt worden. Wenn mit der Renovierung   unverzüglich  begonnen würde, könnten da Menschen bald für mehrere   Jahre leben bis normale Sozialwohnungen bzw. -häuser gebaut sind. 
Unser Vorpreschen wurde jedenfalls von allen Seiten hart kritisiert.
“Hirnrissig“  und „wirkt, wie das Anheulen des Mondes“ so hieß es damals über unsere Anträge.
In  einem Informationstreffen am Montag wurden dann interessanterweise  diese und diverse andere unserer Ideen bzw. Anträge von anderen Parteien bzw. der  Verwaltung wieder in die Diskussion eingebracht. 
Entgegen  der Aussage vom Fraktionsvorsitzenden der CDU, Herrn Baal, “damit lasse  sich kein einziger Mensch unterbringen” setzt sich langsam die  gegenteilige Einsicht durch.
Für uns ein klarer Erfolg.
Allerdings  nur ein Teilerfolg. Denn das Bewusstsein dafür, dass man mit  Übergangslösungen nicht weiter kommt, ist noch immer nicht vorhanden.
In der Aachen-Wohnen-Strategie 2030 gibt es schlichtweg keinen Punkt, der sich mit Flüchtlingen beschäftigt.
Auch die ständige Fokussierung auf Not- und Übergangslösungen, beschlossen über Dringlichkeitsentscheidungen, zeigt, welcher Bewusstseinswandel hier noch zurückzulegen ist.
Es ist offensichtlich, dass die GeWoGe dringend neuen günstigen Wohnraum schaffen muss. Bereits kurzfristig wird die Stadt nicht damit auskommen, ständig Restkapazitäten zusammenkratzen zu müssen.
Mit  der Schaffung einer Erstaufnahmeeinrichtung in Richterich stellt sich nun auch langsam ein weiterer Grund heraus, wieso von Seiten der  Verwaltung so lange gepokert wurde.
Scheinbar waren die Pläne schon seit einiger Zeit vorhanden.
Plötzlich gibt es die  Möglichkeit, Flächennutzungspläne zu ändern und Bauanträge rasch durch die Verwaltung zu jagen. – Bei unseren Vorschlägen, wie zum Beispiel dem Bau von Wohnungen in Leichtbauweise auf dem Blücherplatz, standen eben diese Argumente noch im Wege.
Dies  waren jedoch –  jenseits von Turnhallen und Containern – die bisher  einzigen und damit  besten Vorschläge, die in dieser Stadt angesichts  der sich zuspitzenden Lage gemacht wurden.
In   Anbetracht dieser desolaten Lage fragen wir uns, ob Verwaltung und   Politik mit einer offenen und konstrukiven Zusammenarbeit mit den  PIRATEN nicht dem Wohl der Öcher mehr dienen könnten.
Wir  Piraten befürworten jederzeit die Aufnahme von Flüchtlingen. Es gibt  Bereiche, in denen man einfach nicht sparen darf, weil es sich  langfristig immer rächt: Bildung, Infrastruktur und Integration.