Kaiserplatz-Galerie Wirtschaft

Die Kaiserplatz-Galerie kommt!

Das Siechen hat ein Ende: Die Verträge für die weitere Planung der Kaiserplatz-Galerie sind nach jahrelangem Eiertanz unterschrieben. Der Konsumtempel wird kommen, und zwar irgendwann im Herbst 2015, wie es auf der Seite von ECE geschrieben steht.

Ich hypothetisiere mal frech:

Die Betreiber verscherbeln die Immobilie zum Zeitpunkt der bestmöglichen Vermietung (80%) gewinnbringend an einen Immobilienfond. Der Einzelhandel in der näheren und weiteren Umgebung krebst noch eine Weile so vor sich hin, allerdings ohne wirklich davon leben zu können. Das Ende ist absehbar, wenn man nicht gerade einen absoluten Nischenmarkt in der Region bedient.

In der Zwischenzeit gewinnoptimiert der Immobilienfond die Rendite aus dem Objekt, indem er die Mieten steigert und die Unterhaltskosten runterschraubt. Letztendlich wird sich nicht mal „Rudis Resterampe“ mehr dort halten wollen…

Wir könnten uns aber auch vorher ein paar Gedanken machen, wie wir das Kind noch am Schopfe aus dem Brunnen ziehen können:

Verträge offenlegen

Das Projekt hat einen so nachhaltigen Einfluss auf Aachens Zukunft, dass wir Bürger Einsicht in die Verträge erhalten müssen. Ich möchte nicht auf den Cent genau wissen, was da an Geld von einer Tasche in die andere fließt. Aber ich möchte wissen, ob die Projektbeteiligten irgendwelche Absprachen getroffen haben bzgl. Entgegenkommen, Befreiungen oder Vergünstigungen.

Aktueller Projektstatus

Das gleiche gilt für den aktuellen Projektstatus: Ich möchte gerne eine auf einer Webseite die Neuigkeiten auf der Baustelle zumindest wochenaktuell nachlesen können. Beim Autobahnkreuz Aachen funktioniert das auch (und das ist öffentliche Verwaltung!).

Beteiligung der lokalen Handwerksbetriebe

Die Strabag sollte mindestens 40% der Bauleistungen an Aachener Betriebe vergeben. Es wäre schlimm, wenn schon während der Bauphase die Stadt übergangen würde. Und, nein: Die rumänischen Sub-sub-sub-Handwerker von bulgarischen Billigunternehmen bringen während der Bauphase kein Geld nach Aachen. Die wohnen wohl eher in Containern vor der Stadt und kochen sich ihre Brotsuppe auf dem Camping-Stövchen; weil mehr für den Hungerlohn nicht drin ist.

Einbindung der gesamten Innenstadt

Das Konzept für die Kaiserplatz-Galerie muss den restlichen Aachener Einzelhandel sowie Tourismus, Verkehr, Kultur und Freizeit mit einbeziehen. Das beinhaltet u. a. den Parkraum nicht nur für Galerie-Kunden, gemeinsame Marketingaktionen, Verkehrskonzepte, Veranstaltungen und so weiter. In Richtung Innenstadt muss der Ausgang dazu einladen, sich den Rest der Stadt anschauen zu wollen. Der Aachener Touristen-Service muss einen günstigen Stand in der Lobby zumindest angeboten bekommen.

Zahlt ECE Gewerbesteuer?

Natürlich rechnet ECE mit einem monetären Erfolg der Galerie. Aber zahlen die in Aachen auch die Gewerbesteuer aus dem Galerie-Gewinn? Oder freut sich Hamburg über jeden weiteren Glaspalast (nicht, dass ich es Hamburg nicht gönnen würde, aber so dicke haben wir es derzeit nicht)?

Bitte kein Konsumtempel von der Stange!

Ich weiß: Visionäre und moderne Architekten sind dazu bestimmt, visionär und modern zu planen. Und somit bekommen alle Städte diese visionären und modernen Klumpen hingeknallt. Und wenn man drin ist, dann merkt man nicht, ob man in Aachen, Hamburg, Berlin, Sprockhövel oder auf dem Mond ist. Ich möchte gerne Aachens belebte und reichhaltige Geschichte in dem Gebäude wiederfinden können… und nicht den feuchten Traum eines visionären und modernen Architekten vom anderen Ende der Republik.

Allianz Aachener Einzelhandel

Alle Aachener Einzelhändler sollten sich zu einer Allianz zusammenschließen, um sich der Kaiserplatz-Galerie als ebenbürtiger Mitbewerb zu präsentieren. Dazu gehören Aachen-weit geplante Werbeaktionen, Einzelhandelsveranstaltungen, gegenseitige Unterstützung im Ein- und Verkauf, Bonussysteme für Kunden, auch konzertierte Aktionen mit dem Aachener Hotel- und Gaststättengewerbe, den Kunst- und Kulturschaffenden und schließlich den Bürgern, die auch durch ihr Kaufverhalten den galeriefernen Einzelhandel am Leben halten können. Der MAC-Märkte und Aktionskreis City e.V. macht das mit dem Weihnachtsmarkt und dem September Special vor… nur muss es eben mehr davon geben. Das wird nicht einfach. Aber sonst könnt‘ es ja jeder…

Politik und Verwaltung, die agieren, statt zu reagieren

Lange genug haben sich beide am Nasenring durch die Arena führen lassen. Es sollte allen klar sein, dass die Stadt dem Galeriebetreiber herzlich egal ist! Er wird seinen Schnitt auch dann machen, wenn die Galerie floppt. Führung ist jetzt gefragt, wobei ich da ehrlicherweise nur ein sehr geringes Vertrauen habe, wenn ich mir den desolaten Zustand der Aachener Einkaufsstraßen ansehe… Kümmern sieht anders aus. Außerdem ist jeglicher Vertrauensvorschuss im Verlauf des Kaiserplatz-Desasters bereits homöopathisch verdünnt.

Fazit

Ich würde mich freuen, wenn wir aus den Fehlern und Erfahrungen der anderen Städte (Schwerin, Magdeburg, Braunschweig etc.) lernen können, um die Kaiserplatz-Galerie in das Stadtleben zu integrieren, statt ein parasitäres, autarkes Konsuniversum zwischen den Backen zu haben.

Weitere Informationen:

Bevor jemand meckert: Ich habe auch nach Seiten gesucht, die sich für die Kaiserplatz-Galerie einsetzen… Fehlanzeige. Wer eine kennt, der darf sie gerne in den Kommentaren posten.

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