Mobilität Kommentar Kommunalwahl

Warum Ich die Initiative für einen autofreien Templergraben unterstütze

Matthias Achilles - Oberbürgermeisterkandidat Piraten Aachen
cam-biz.de

Vor einigen Jahren stand ich neben Vertreter*innen aller anderen Ratsfraktionen auf einem Podium zum Thema Radverkehr, ausgerichtet vom Zeitungsverlag. Und die Eröffnungsfrage an alle Teilnehmer*innen war, was die eine Sache wäre, die wir jeweils für den Radverkehr tun würden, wenn wir morgen per Dekret eine Entscheidung in Aachen vorbei an Rat, Mobilitätsausschuss und Verwaltung durchsetzen könnten. Meine Antwort damals war in etwa „Den Templergraben für PKW sperren!“. Nun ist seitens der Politik seitdem leider nicht viel passiert. Aber dankenswerterweise haben Fridays4Future und der Radentscheid Aachen von außen so viele Impulse gegeben, dass sich inzwischen tatsächlich mal etwas bewegt in der Verkehrspolitik in dieser Stadt. Und das alte Thema der Schleifenerschließung wird endlich wieder diskutiert.

Schleifenerschließung vereint Erreichbarkeit mit Verkehrsreduktion

Ich denke, dass die Aachener Innenstadt davon lebt, dass man sich da gerne aufhält, weil es einladend ist, nicht weil man gut mit PKW durch das Zentrum fahren kann. Bei der Diskussion, um verträglichen urbanen Verkehr wird oft der Fehler gemacht, dass man Erreichbarkeit mit Durchfahrbarkeit gleichsetzt. Erreichbarkeit möchte ich gerne erhalten. Jede*r soll in die Innenstadt kommen können auch wenn man dafür auf einen PKW angewiesen ist (was längst nicht jede*r PKW-Fahrer*in heutzutage ist). Die Durchfahrbarkeit möchte ich aber einschränken, weil es hier einen Konflikt zwischen denen, die gerne auf direktem Weg durch die Stadt fahren wollen und denen, die davon in der Stadt gestört werden gibt. Diesen Konflikt möchte ich auflösen indem die PKW, die gar kein Ziel in der Innenstadt haben dort auch nicht durchfahren sollen, für diesen Verkehr gibt es einen Alleenring und einen äußeren Ring.

Lebenswerte Stadt heißt weniger PKW

Für mich ist PKW Verkehr nur in geringen Mengen mit dem Leben in einer Stadt gut vereinbar. Deswegen möchte ich, dass Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und der ÖPNV mehr Platz bekommen, um jeweils auf kurzen, mittleren und langen Wegen eine verträgliche Alternative zu bieten. Dieser Platz muss in der Innenstadt dem bisher üppig versorgtem PKW-Verkehr weggenommen werden. Was aus meiner Sicht in hier problemlos möglich ist, wenn man zwei Dinge beachtet:

Die Erreichbarkeit muss weiterhin gegeben sein und die Alternativen müssen gleichermaßen gestärkt werden, wie der PKW-Verkehr geschwächt wird.

Fußgänger*innen und Radfahrer*innen brauchen den Templergraben

Für beides ist der Templergraben ein Idealbeispiel. Da es sich um ein Stück Grabenring handelt, wird durch eine Sperrung die Erreichbarkeit der Innenstadt nicht berührt. Diese Verkehrsberuhigung führt aber zu einer Qualitätssteigerung im Radverkehrsnetz und zur Belebung des RWTH-Campus Mitte für Fußgänger*innen.

Daher bin ich dankbar, dass es mit Uni.Urban.Mobil. [https://uum-ac.de/templergraben/] eine studentische Initiative gibt, die dieses Thema voran treibt. Ich denke wir brauchen mehr junge Leute, deren Denken nicht verkrustet ist in dem Ideal einer autofreundlichen Verkehrsplanung. Wir brauchen einen Generationenwechsel!

Matthias Achilles
Oberbürgermeisterkandidat Piraten Aachen
Für einen Generationenwechsel im Rathaus